Kilian Sperber, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hochschule München, misst ein sogenanntes „Target“ im Wald der Kürnach ein. Die Referenzpunkte ermöglichen die präzise Verknüpfung von Drohnendaten mit exakten Standorten und bilden eine wichtige Grundlage für KI‑gestützte Aufforstung.
Foto: Johannes Lehner, BaySF
29. April 2026, Sonthofen / Kürnach – Ein lautes Surren liegt über den Wäldern der Kürnach: Drohnen sind hier aktuell im Einsatz, um neue Wege für die Baumpflanzung bzw. Aufforstung in schwierigem Gelände zu erforschen. Was vor wenigen Jahren noch Zukunftsmusik war, ist heute Teil moderner Forstforschung. In Zusammenarbeit mit der Hochschule München und der Hochschule Kempten werden innovative Verfahren getestet, um Waldflächen präzise zu vermessen und langfristig automatisiert bepflanzen zu können.
Drohnen kommen in der Forstwirtschaft bereits vielfältig zum Einsatz – etwa zur Aussaat auf Freiflächen oder zur Vitalitätskontrolle ganzer Bestände. In der Kürnach geht man nun einen Schritt weiter: Ziel ist es, mithilfe hochauflösender Sensordaten geeignete Pflanzstellen in steilen und schwer zugänglichen Hanglagen zu identifizieren.
Zum Einsatz kommt eine speziell ausgerüstete Drohne, gesteuert von Drohnenpilot Jörg Heblinski von der Hochschule München. „An dieser Drohne können wir auch schwere Technik anbringen, wie eine Multispektralkamera oder einen Laserscanner“, erklärt er. Damit lassen sich Gelände, Vegetation und Hindernisse millimetergenau erfassen. Dank moderner RTK-Technologie kann die Drohne ihre eigene Position mit einer Genauigkeit von bis zu drei Zentimetern bestimmen.
Die überflogene Fläche ist ein breiter Hangstreifen, auf dem vor einigen Jahren Holz geerntet und in diesem Jahr wieder aufgeforstet wurde. Um die gesammelten Drohnendaten exakt mit realen Standorten zu verknüpfen, hat Kilian Sperber vom Labor für Photogrammetrie und Fernerkundung der Hochschule München sogenannte Targets auf der Fläche verteilt und präzise eingemessen. Zusätzlich kartiert er die Position einzelner junger Bäume.
Diese Informationen sind entscheidend für die nächste Entwicklungsstufe: das Training einer Künstlichen Intelligenz. „Die KI soll später automatisch geeignete Pflanzstellen erkennen, an denen prinzipiell ein Pflanzroboter arbeiten kann“, so Sperber. Hindernisse wie Steine, vorhandene Bäume oder Reisighaufen müssen dabei zuverlässig erkannt und ausgeschlossen werden.
Parallel dazu wird an der Hochschule Kempten ein Pflanzroboter entwickelt, der künftig von einer Schwerlastdrohne an steilen Hängen abgeseilt werden soll. Dort angekommen, soll er selbstständig junge Bäume pflanzen – auch an Orten, die für Menschen bisher nur schwer oder unter hohem Risiko erreichbar sind.
Für den Staatswald in der Region ist das ein vielversprechender Ansatz. Sonthofens Forstbetriebsleiter Jann Oetting zeigt sich optimistisch: „Gegebenenfalls kann schon in ein paar Jahren der erste Roboter auf unseren Flächen für den Wald der Zukunft sorgen.“ Gerade für einen Bergforstbetrieb mit extremen Standorten eröffnen sich damit neue Möglichkeiten für eine sichere und nachhaltige Waldbewirtschaftung.
Die Datenerhebung in der Kürnach ist Teil des Forschungsprojekts „Drohnengestützte automatisierte Aufforstung“ (DraAuf). Das Projekt wird im Rahmen der Initiative „KI-Leuchttürme“ durch das Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMUKN) gefördert.
3D-Punktwolke aus Laserscandaten der Drohne: Die detaillierte Gelände- und Vegetationsdarstellung dient als Grundlage für die Entwicklung einer KI zur automatisierten Aufforstung im steilen Bergwald.
Abbildung: Hochschule München