80 Forstanwärterinnen und Forstanwärter zu Besuch im Forstbetrieb Oberammergau – Einblicke in Jagd, Waldumbau und die spannende Ausbildung zur Revierförsterin bzw. zum Revierförster

 

Forstbetrieb Oberammergau 10. Juli 2026 - Während viele Studierende ihre Semesterferien genießen, sind rund 80 angehende Försterinnen und Förster derzeit quer durch Bayern unterwegs. Ihre Mission: den Wald der Zukunft verstehen. Im Rahmen einer zweiwöchigen Exkursion machten die Forstanwärterinnen und Forstanwärter jetzt Station im Forstbetrieb Oberammergau der Bayerischen Staatsforsten – und bekamen dabei einen praxisnahen Einblick in die Herausforderungen und Chancen der modernen Forstwirtschaft im Bergwald.

 

Die Reise ist ein wichtiger Bestandteil ihrer Vorbereitung auf das Staatsexamen im Herbst. Dabei lernen die Nachwuchsforstleute die unterschiedlichsten Waldlandschaften Bayerns kennen – vom Flachland bis in die Alpenregion. Gerade Oberammergau bot dafür ideale Bedingungen: Hier treffen Schutzwald, Jagd, Waldumbau und anspruchsvolle Holzernte aufeinander.

 

Doch wie wird man eigentlich Försterin oder Förster?

Nach einem forstwissenschaftlichen Studium folgt die einjährige Anwärterzeit, in der die angehenden Revierförsterinnen und Revierförster ihr Wissen in der Praxis vertiefen. Unter Anleitung erfahrener Ausbilder durchlaufen sie verschiedene Stationen im Forstbetrieb und besuchen regelmäßig Lehrgänge an der Bayerischen Forst- und Technikerschule in Lohr am Main. Dort werden sie gezielt auf das Staatsexamen vorbereitet – die Eintrittskarte in einen Beruf, der heute wichtiger ist denn je.

Denn Förster kümmern sich längst nicht mehr nur um die Holzernte. Sie stehen vor der Aufgabe, den Wald an den Klimawandel anzupassen, Schutzwälder zu erhalten, Wildbestände zu regulieren und gleichzeitig die vielfältigen Ansprüche von Naturschutz, Erholungssuchenden und Waldbesitzern miteinander zu vereinen.

 

Wie komplex diese Aufgaben sind, erfuhren die Forstanwärterinnen und Anwärter direkt vor Ort. An der Schaufütterung Schattenwald diskutierten sie gemeinsam mit einem Berufsjäger die Bedeutung der Jagd und der Winterfütterung im Bergwald. Dabei wurde deutlich: Ein ausgewogenes Wildtiermanagement ist entscheidend, damit junge Bäume nachwachsen können und stabile, klimaresiliente Bergwälder entstehen.

Auch der Blick unter die Erde stand auf dem Programm. Anhand eines Bodenprofils untersuchten die angehenden Förster verschiedene Bodenarten und deren Eigenschaften. Was auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, entscheidet oft über den Erfolg ganzer Waldgenerationen. Nur wenn Boden und Standort richtig beurteilt werden, können die passenden Baumarten ausgewählt und zukunftsfähige Mischwälder aufgebaut werden.

 

Besonders beeindruckend war für viele Teilnehmer die Besichtigung eines sogenannten Seilbahnhiebs. In den steilen Hängen des Ammergebirges wird Holz häufig mit speziellen Seilkrananlagen geerntet. Hier standen Fragen der nachhaltigen Waldbewirtschaftung im Mittelpunkt: Wie viel Holz wächst im Wald nach und kann dementsprechend geerntet werden? Welche Baumarten wachsen von allein auf der Fläche, und welche sollen gepflanzt werden? 

 

Der erfahrene Revierförster Adrian Oberhaus nahm sich Zeit für die zahlreichen Fragen des Försternachwuchses. „Es ist schön zu sehen, wie engagiert und wissbegierig die neue Förstergeneration ist. Alle Fragen, die heute gestellt werden, kann man hier direkt vor Ort und anhand praktischer Beispiele besprechen“, sagte Oberhaus.

 

Die Exkursion zeigt eindrucksvoll, wie abwechslungsreich die Ausbildung zum Förster ist. Statt ausschließlich im Büro zu arbeiten, verbringen Försterinnen und Förster einen großen Teil ihrer Zeit draußen in der Natur, treffen wichtige Entscheidungen für die Entwicklung der Wälder und übernehmen Verantwortung für kommende Generationen.

 

Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist die Bayern-Rundreise deshalb weit mehr als eine Prüfungsvorbereitung. Sie ist eine Gelegenheit, von erfahrenen Praktikern zu lernen, neue Perspektiven kennenzulernen und sich auf einen Beruf vorzubereiten, der mitten im Spannungsfeld von Natur, Klimaschutz und nachhaltiger Nutzung steht.

Auch beim Forstbetrieb Oberammergau freute man sich über den Besuch des Nachwuchses. „Gut ausgebildete Försterinnen und Förster sind entscheidend für die Zukunft unserer Wälder. Es ist schön zu sehen, mit wie viel Engagement und Interesse sich die Anwärterinnen und Anwärter auf ihre künftigen Aufgaben vorbereiten“, betonte Quirin Neuner, stellvertretender Leiter des Forstbetriebs Oberammergau.

 

Nach dem Staatsexamen stehen den jungen Forstleuten vielfältige Karrierewege offen. Sowohl die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten als auch die Bayerischen Staatsforsten übernehmen jedes Jahr besonders leistungsstarke Absolventinnen und Absolventen. Für die Wälder von morgen stehen die nächsten Förstergenerationen jedenfalls schon in den Startlöchern. 

Anwärter in Oberammergau

Neue Forstleute besuchen den Forstbetrieb Oberammergau. Bild: Bayerische Staatsforsten/ Nathalie Kolb 

Waldklassenzimmer

Der Revierförster Adrian Oberhaus erklärt eine Seiltrasse. Bild: Bayerische Staatsforsten/ Nathalie Kolb